Tiersicherung & Rehkitzrettung

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Floyd 💝

Floyd ist im Dezember bei seiner Pflegestelle angekommen und zeigte sich sehr scheu und schreckhaft. Er kannte bisher nur seinen Zwinger in Bulgarien. Er hatte kaum Kontakt zu Menschen. Nun sollte er hier bei uns leben, damit war er überfordert.

Am 5. Januar hat er sich auf einem Gassigang so erschrocken, das er seinem Pflegepapa die Leine aus der Hand riss und weg rannte.

Er wurde am nächsten Tag noch einmal gesehen, danach blieb er verschwunden.

Da er noch Geschirr, Halsband und Leine an sich hatte, war die Angst groß, das er irgendwo fest hängt. Also wurde schnell ein Suchhund eingesetzt. Leider konnte dieser den Floyd nicht finden, aber er scheint ihn aufgescheucht zu haben, denn prompt wurde Floyd am Wochenende gesichtet. Er war immernoch in der Nähe von seinem Zuhause unterwegs.

Die Schleppen wurden erneuert und die Futterstellen engmaschig kontrolliert.

Leider blieb er wieder verschwunden.

Auch ein Suchhund konnte seinen Verbleib nicht klären. Erst am darauffolgenden Wochenende zeigte er sich wieder den Menschen und legte unheimlich viele Kilometer zwischen Niddatal und Limeshain zurück. Er hatte scheinbar nicht vor, sich niederzulassen.

Es wurden total viele Flyer verteilt, Schleppen gezogen und Futterstellen angelegt. Floyd hat keine einzige angenommen. Er war immernoch mobil und lauffreudig. Zuletzt war er in Altenstadt, aber auch dort zeigte er sich kein zweites Mal.

Am 24.1. nahm unser Fall Floyd dann eine dramatische Wendung. Es schneite, die Straßen waren glatt und die Sicht schlecht. Bei Rosbach gab es einen Autounfall mit einem Hund, der schwer getroffen und blutend von der Straße weg lief.

Es waren einige Helfer vor Ort, die die Spur des Hundes aufnehmen und die Stelle ausfindig machen konnten, an die sich den Hund zurück gezogen hatte. Dort wurde der Hund als Floyd erkannt!

Der herbeigerufene Tierarzt konnte den Narkosepfeil setzen und Floyd rannte wieder wie der Blitz. Die anschließende Nachsuche mit Sundhunden, Wärmebildkameras und Manpower blieb erfolglos.

Der Suchhund hat die Spur 8 km quer durch den Wald verfolgt. Dann wurde entschieden, das Floyd doch noch mobil und fort gerannt sein muss. Hinter dem nächsten Wald verlief aber die Autobahn, deshalb war Vorsicht geboten und wir mussten für diesen Abend aufgeben. Selbst die Jäger waren mit ihren Wärmebildkameras noch die halbe Nacht unterwegs.

Am nächsten Tag wurde dieser Bereich wieder geflyert, es wurden Schleppen gezogen und Futterstellen eingerichtet.

Floyd blieb wieder verschwunden.

Die Angst saß allen in den Knochen, das er so schwer verletzt ist, das er stirbt.

Deshalb wurden Drohnen angefordert. Leider war das Wetter weiter unbeständig, so das ein Einsatz nicht sicher war. Aber dann kam die gute Nachricht, das Wetter hat sich beruhigt, es ist trocken und fast windstill. So dass die Bereiche übergeflogen werden konnten. Leider ohne Ergebnis.

Auch am Dienstag, nichts.

Keine Sichtung, kein Bild von den Drohnen, alle Futterstellen unberührt.

Am Mittwoch sollten nochmal Suchhunde kommen. Schnee und Eis waren weiter unser Feind. Der anhaltende Schneefall ließ den Einsatz aber ausfallen.

Während wir am Mittwoch Mittag die Falle für Bodie aufstellten, rief der Jäger aus Rosbach bei Markus -der Pflegestelle- an. Sie saßen -wie so oft in den letzten Tagen- an ihrer Hütte und da lief Floyd plötzlich hinkend an ihnen vorbei. Sie blieben mucksmäuschen still und beobachteten ihn. Später markierten sie seinen Weg für uns.

Wir waren alle so unendlich erleichtert, das Floyd lebt und schmiedeten so gleich einen Plan. Jenny bereitete dann alles vor, sie hat Hühnchen gebraten und Würstchen in Sauce gekocht. Ihre Mutter kochte gute 10 Liter Wurstsuppe.

Am Nachmittag trafen wir uns in Rosbach, bei klirrender Kälte und anhaltendem Schneefall. Von den Jägern hatten wir absolut freie Hand, sie waren genauso erleichtert wie wir, das er lebt und noch dort ist. Der Jäger zeigte uns die Stelle, an der Floyd gelaufen ist und wir fanden auch die Spuren im Schnee.

Wir richteten auf seinem Weg eine neue Futterstelle ein. Dann zogen wir Schleppen quer durch den gesamten Wald. Es war so kalt und so nass. Der Boden war total aufgeweicht und wir sind oft eingesunken. Mit nassen Füßen und leeren Flaschen waren wir Stunden später wieder an den Autos zurück.

Jetzt hieß es wieder warten und hoffen.

In der Nacht fing es an zu regnen und es regnete den ganzen nächsten Tag. Unsere Wurstsuppe verschwand mit dem Regen und der Schneeschmelze. Floyd blieb wieder verschwunden. Aber diesmal hatten wir große Hoffnung das er im Wald bleibt, weil ihn niemand stört oder anspricht.

Auch bis zum Donnerstag Nachmittag ist er an keiner unserer Futterstellen angekommen. Also musste Jenny's Mutter wieder ran. Sie kochte ohne Ende, gefühlte 20 Liter Wurstsuppe.

Der Wetterprophet sagte voraus, das es um 2 Uhr in der Nacht aufhören sollte zu regnen. Bis dahin mussten wir fertig sein. Also zogen wir die Schleppe wieder durch den gesamten Wald, diesmal unverdünnt und deutlich intensiver. Es regnete, es war kalt, matschig und es war dunkel. Für jeden Helfer hieß das etwa 7,5 km Waldspaziergang.

Wir ließen uns nicht entmutigen und erledigten hoffnungsvoll unsere Aufgabe.

In der Nacht um 2:16 Uhr kann die Benachrichtigung der Kamera auf unsere Handys. Die Netzabdeckung war schlecht, aber es hat für zwei Videos à 3 Sekunden gereicht. Es war Floyd!!!

Für den Freitag verabredeten wir uns am Mittag, um die Falle aufzustellen. Wir waren etwas früher am Treffpunkt und warteten noch, da meldete sich wieder die Kamera. Es war Floyd, er dachte bestimmt, er hat noch etwas vergessen und findet nochmal so etwas Leckeres zu fressen.

Jetzt war Vorsicht geboten. Er fraß dort, wo die Falle hin sollte. Wir bereiteten alles vor, besprachen jeden Handgriff und machten uns auf den Weg.  Ganz still und leise stellten wir die Falle auf. Als wir fertig waren und gingen, sahen wir Floyd im Gebüsch liegen. Er musste das leckere Futter riechen und es war nur eine Frage der Zeit.

Wir informierten noch die Spaziergänger vom Reiterhof, das die Hunde auf diesem Waldweg angeleint bleiben sollten und fuhren dann leise wieder weg.

Die Tierklinik war bereits informiert. Eine Kostenübernahme des Vereines lag vor. Alles war vorbereitet und alle informiert.

Floyd ließ uns bis zum Abend warten.

Die Tür der Falle schloss sich um kurz vor 22 Uhr. Floyd saß drin.

Nach 24 Tagen!

Wir machten uns natürlich sofort auf den Weg und trugen ihn zu viert in seiner Sänfte ins Auto.

Das Auto fahren im Wald gestaltete sich äußerst schwierig, denn der Boden war extrem aufgeweicht. Und so kam es, dass das Auto beim Rangieren vom befestigten Weg abkam und im Matsch feststeckte. Die Helfer mussten selbst raus und das Auto raus schieben. Floyd nahm es gelassen. Anschließend fuhren wir ca 500 Meter rückwärts durch den Wald, um endlich weiterfahren zu können.

Anschließend fuhren wir zusammen mit Markus zur Klinik nach Kalbach. Mit samt Falle wurde Floyd in den Behandlungsraum gebracht. Er war ganz ruhig, sehr erschöpft und total müde. Als die Tür der Falle aufging, kam er dem Klinikpersonal schon etwas entgegen. Den Rest musste er überzeugt werden. Er setzte sich dann mit dem Gesicht in die Ecke und ließ eine erste Untersuchung über sich ergehen. Dann bekam er das Sicherheitsgeschirr an und wurde für alle weiteren Untersuchungen aus dem Raum geführt.

Die Falle war nun 18kg leichter beim raus tragen 🙂

Am nächsten Morgen kam die erleichternde Nachricht, das Floyd soweit fit ist. Er hat ein mehrfach gebrochenes Bein und ist sehr unterernährt. Keine inneren Verletzungen, keine Infektion, kein Fieber. Er ist transportfähig.

Angela, eine sehr erfahrene Pflegestelle, konnte ihn abholen und nach NRW in die Klinik gefahren, die in ihrer Nähe liegt. Dort wird er aufgepäppelt und schnellstmöglich operiert.

Wir wünschen Floyd alles Gute, gute Besserung und das er für immer gut gesichert ist 😉

Unser Dank gilt allen, die uns unterstützt und mitgefiebert haben. Besonderen Dank gilt den Jägern, der Johanniter Unfallhilfe, den Suchhunden und allen, die das sehr zeitintensive Hobby ihrer Lieben respektieren 💝

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