Tiersicherung & Rehkitzrettung

Tiersicherung - Sicherungsbericht

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Maya aus Karben (Bericht des Besitzers)

Am Freitag, dem 11. Dezember durften wir Maya, mit der Unterstützung des Vereins Hundeglück Filderstadt e.V., ein neues zu Hause geben. Am darauffolgenden Samstag hatten wir bereits ein paar kleine Runden rund um den Block gedreht. Keiner konnte ahnen das der zur Mittagszeit bevorstehende Spaziergang, der wohl folgenreichste und aufregendste Spaziergang wird, den Maya in ihrem ersten Lebensjahr bisher erlebt hat.

Auf dem Radweg hinter dem Pflegeheim in der Ramonville Straße haben wir unsere übliche Runde gestartet. Wir waren erst wenige Meter von zu Hause entfernt und dann passierte das Unaussprechliche: Ich hatte nur noch das Brustgeschirr samt Leine in der Hand und sah Maya von dem Radweg aus Richtung Niddaufer rennen. Ein kurzer Schockmoment, dann setzte der Verstand wieder ein und ich rannte sofort hinterher. Es trennten uns mittlerweile einige Meter voneinander. Ich hatte die Hoffnung am Ufer würde sie stoppen und sich wieder anleinen lassen. Während ich jedoch damit beschäftigt war mich halb stolpernd und halb rennend durch das Gras zu kämpfen hört man nur noch ein Geräusch, das ich nicht mehr so schnell vergessen werden: *PLATSCH*. Darauffolgend flog ein aufgescheuchter Schwarm von Enten davon. Mir schoss es in den Kopf: Ist sie gerade wirklich in das Wasser gesprungen? Das alles passierte in nur wenigen Sekunden. Mittlerweile war ich am Ufer angekommen und konnte das gesamte Ufer überblicken. Aber wo war Maya? Sie war nirgendwo zu sehen. War sie etwa untergegangen? Nein, so ein Quatsch, dachte ich mir: Hunde schwimmen doch!

Ich lief das Ufer flussabwärts entlang. Da erreichte mich vom gegenüberliegenden Ufer eine erste Sichtung: Ihr Hund sitzt unter der Fahrradbrücke hinter dem Rathaus, rief eine Frau vom gegenüberliegenden Ufer. Auf dem Weg zur Brücke habe ich meine Freundin (Nina Hellwig) telefonisch über den Vorfall informiert, die nur wenige hundert Meter entfernt beim Fressnapf unterwegs war. Angst machte sich in ihrer Stimme breit. An der Brücke angekommen war Maya nicht dort anzutreffen. Wir liefen das Ufer bis zur Kläranlage ab. Kein Erfolg. Uns wurde schnell klar: Wir brauchen Hilfe und zwar von vielen Menschen, die bereit waren uns bei der Suche zu unterstützen. Es folgte ein Aufruf auf Facebook, parallel dazu wurde die Polizei informiert. Zwei Stunden waren mittlerweile vergangen, bis uns die ersten ortsnahen Sichtungen im Industriebgebiet erreichten. Gesehen wurde Maya in der Robert-Bosch-Straße, bei Continental, am Recyclinghof, und am Schützenhaus (Klein-Karben).

Der Aufruf auf Facebook zog mittlerweile weite Kreise und so kam es das sich Ramona von der Tiersicherung Frankfurt/Main und Umgebung  bei uns meldete. Noch nie hatten wir es persönlich mit einem entlaufenen Hund zu tun, geschweige denn wussten wir was zu tun war und wie man sich zu verhalten hat. Ramona brachte die notwendige Ruhe in die Situation und hat uns mit ihrer großen Erfahrung mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Wir haben gemeinsam die ersten weiteren Schritte besprochen. Die erste Annahme war: Maya wird an die Stelle zurückkehren, an der sie entlaufen war. Wir richteten daher zunächst an genau dieser Stelle sowie vor dem Hauseingang (50 m entfernt) Futterplätze ein und legten von der Futterstelle eine Geruchsspur mit Wasser aus abgekochtem Pansen. Das Warten begann. Zur Vorbereitung auf den nächsten Tag und für die weiteren Schritte, hatten wir Vermisstenanzeigen von Tasso ausgedruckt, in Klarsichtfolie gesteckt und verklebt. Der nächste Schritt des Plans war es die Vermisstenanzeigen am nächsten Morgen mit Helfern an den Sichtungspunkten und an wichtigen Punkten mit viel Publikumsverkehr aufzuhängen. Wir entschlossen uns für heute schlafen zu gehen. Wir waren bereits den ganzen Nachmittag auf den Beinen und wussten, auch morgen würde ein langer Tag werden.

Es wurde wie befürchtet eine schlaflose Nacht und weitere sollten folgen. Am nächsten Morgen wurde uns klar: der Plan war nicht aufgegangen. Maya kam in der Nacht nicht nach Hause zurück. Uns mache an dem Morgen vor allem rückblickend stutzig: es hatte sich kein Anrufer mehr seit gestern nach 15 Uhr bei uns gemeldet und eine Sichtung beschrieben. Keiner sprach es wirklich aus, aber es lag keine gute Vorahnung in der Luft. Nachdem wir diesen ersten Tiefpunkt gedanklich auf Seite schoben, machten wir uns mit Fahrrädern auf den Weg die wenigen Strecken, die Maya bis dahin kannte, zu befahren und mit Vermisstenanzeigen auf Maya aufmerksam zu machen. Wichtig war an dieser Stelle unsere persönliche Geruchsspur nur an den Orten zu hinterlassen, die Maya bereits kannte, um es ihr zu ermöglichen mit der eigenen Nase wieder nach Hause zu kommen. Weitere Helfer waren zur gleichen Zeit im Industriegebiet unterwegs und haben dort ebenfalls Vermisstenanzeigen verteilt und mit Passanten gesprochen, um die Aufmerksamkeit auf diesen Fall zu erhöhen. Der ganze Tag verging mit diesen Aktivitäten, ohne jegliche Sichtungen. Am Sonntagabend, gegen ca. 17.30 Uhr, hat Ramona uns angerufen und von einer aktuellen Sichtung erzählt. Die Sichtung befand sich auf einem Werksgelände im Industriegebiet unter einem Container. Ein eigener vorsichtiger Blick mit der Taschenlampe unter den Container bestätigte die Sichtung. Maya, mit ihrem auffälligen Zick-Zack-Muster auf dem Rücken befand sich tatsächlich unter dem Container. Das war ein sehr glücklicher Moment. Wir wussten endlich wo sie war. Wir hatten bereits Befürchtungen sie sei durch den deutlichen zeitlichen Vorsprung nicht mehr in der näheren Umgebung aufzufinden. Zu diesem Zeitpunkt überschlugen sich die Aktivitäten. Die nächsten Schritte mussten geplant, die Lebendfalle platziert, präpariert und Verfügbarkeiten der Helfer für die Nacht geplant werden, um Maya schnellstmöglich aus der Falle wieder befreien zu können. Der Bereich der Lebendfalle wurde darüber hinaus mit einer Überwachungskamera ausgestattet, um Aktivitäten genau zu beobachten.

Wir hatten bereits die Erfahrung gemacht das Maya nicht sehr gefräßig ist und seit ihrer Ankunft bei uns nur wenige Brocken aus der Hand gegessen hat. Es sollte eine Herausforderung werden sie mit schmackhaftem Essen in die Lebendfalle zu locken. Wir entschieden uns dazu einen Hamburger und Chicken Nuggets vom nahegelegenen Burger King zu organisieren und in die Falle zu legen. Der Weg zur Lebendfalle wurde mit ihrem Lieblingsleckerli, der Fleischwurst, und mit Pansenbrühe präpiert, um eine Geruchsspur zu legen.

Nach Abschluss der Vorbereitungen gingen wir nach Hause und warteten auf die ersten Reaktionen der Maßnahmen. Tatsächlich, um 3 Uhr morgens alarmierte uns zum ersten Mal die Kameras über Bewegungen aus dem überwachten Bereich. Dann trauten wir unseren Augen kaum: Maya war tatsächlich unter dem Container hervorgekommen und streifte über das Gelände, inspizierte unsere Spuren und die ausgelegte Fleischwurst.

Es stellte sich heraus der Hunger schien noch nicht dem Drang nach Hause zu kommen übergeordnet zu sein und so war Maya nicht bereit in die ihr merkwürdig vorkommende Falle zu laufen.

Durch die von uns platzierten Überwachungskameras konnten wir am zweiten Abend des Einsatzes ungewöhnliches Verhalten von zwei Personen vor dem Werksgelände beobachten, die mit Taschenlampen das Gelände auskundschafteten, sich aber keinen Zutritt auf das Gelände verschafften. Einige Minuten vergingen bis eine Person unbefugt das Gelände betrat. Der Adrenalinspiegel schoss in die Höhe. Das war der Moment in dem wir umgehend die Polizei verständigt haben, die sehr schnell vor Ort war, um das Gelände nach der Person zu durchsuchen, die dort nichts zu suchen hatte. Parallel dazu haben wir die Inhaber informiert, die sich ebenfalls sofort auf den Weg gemacht haben. Noch vor dem Eintreffen der Polizei waren Nadine und ich vor Ort und hatten bereits das Gelände im Blick. Es war niemand zu sehen. Nachträgliche Videoauswertungen haben ergeben die Person hatte fünf Minuten vor unserem ersten Eintreffen das Gelände bereits nach wenigen Minuten wieder selbstständig verlassen. Nach dem Abschluss des lautstarken Einsatzes (die Alarmanlage des Geländes wurde durch die Polizeiaktivitäten ausgelöst) der Polizei hatten wir bereits die Hoffnung für diese Nacht aufgegeben, Maya auf irgendeiner Videoaufzeichnung zu sehen. Wir sollten uns täuschen. Keine 15 Minuten nachdem alle das Gelände verlassen hatten, war Maya wieder aktiv auf dem Gelände unterwegs. Leider wieder ohne den Erfolg sie mit der Lebendfalle zu sichern. Die Inhaber haben sich für unsere wachsamen Augen bedankt und waren erleichtert es war nichts abhandengekommen oder beschädigt worden.

Im nächsten Schritt kamen wir auf die Idee Alina, bei der Maya zuvor zwei Wochen lang war, in den Plan zur Sicherung einzubinden. Mit ihrer Hilfe und dem Vertrauen zu Maya wollten wir versuchen sie unter dem Container herauszulocken. Bereits beim ersten Versuch hatte Maya Alina erkannt und sich unter dem Container hervorgetraut. Sie war jedoch leider so verunsichert, dass sie sich nicht so sehr näherte, um ihr eine Leine anzulegen. Wir haben den Versuch am kommenden Abend wiederholt, mit dem gleichen Ergebnis: Keine Sicherung möglich.

Insgesamt drei Nächte haben wir versucht unter Neuplatzierung der Lebendfalle und Verwendung von verschiedensten Leckereien Maya die Falle schmackhaft zu machen. Leider ohne Erfolg.

Am letzten Abend, dem 16. Dezember, war der Geduldsfaden der Anwohner aufgrund der Unruhen in den vergangenen Nächten und der Inhaber reichlich dünn geworden - verständlicherweise. Wir entschlossen uns daher, am fünften Tag nach dem Entlaufen von Maya, einen Tierarzt zu Rate zu ziehen, um medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wir endeten damit Maya ein Beruhigungsmittel auf ihr Lieblingsfutter zu träufeln und setzten auf ihren Hunger, den sie inzwischen haben musste. Wir legten ihr die präparierte Fleischwurst direkt vor die Öffnung des Containers. Es dauerte nur wenige Momente und man konnte die Schnauze im Schein der Laterne erkennen und sehen wie sie die Fleischwurst verschlang. Jetzt hieß es nur noch warten. Nach bereits zehn Minuten und weiteren Ausflügen in der unmittelbaren Nähe des Containers konnte man bereits die schwächelnden Beine deutlich erkennen. Mit letzter Kraft kroch sie dann nochmal unter den Container. Wir warteten weitere 20 Minuten um sicherzugehen, das Mittel entfaltete seine volle Wirkung. Alina lockte sie wieder ans Loch und konnte nach ihr greifen. Nach und nach konnte sie Maya, von hinten etwas nachgeholfen, unter dem Container hervorbringen und ihr eine Leine anziehen. ES WAR GESCHAFFT. Wir trugen sie in das vorbereitete Auto von Angi mit Zwinger und legten sie dort hinein. Alle waren überglücklich einen erfolgreichen Abschluss zu haben und Freudentränen waren nicht mehr zu vermeiden. Das war ein tolles Gefühl. Die Geduld und die Bemühungen haben sich ausgezahlt!

Zwei Tage nach dem Ausflug:

Unser besonderer Dank geht allen voran an Ramona sowie Angi und Nadine und den vielen anderen Helfern der @Tiersicherung Frankfurt/Main und Umgebung, die sich mit uns die Nächte um die Ohren geschlagen haben, um Maya wieder sicher zurück nach Hause zu bringen!

Die Inhaber des Werksgelände haben es uns darüber hinaus ermöglicht, über einen Zeitraum von fünf Tagen, uneingeschränkt das Gelände zu betreten. Ohne diese Grundvoraussetzung wäre es uns niemals möglich gewesen die Sicherung durchzuführen. Dafür möchten wir uns auch sehr bedanken!!!

Auch der extra ‚eingeflogenen‘ Pflegestelle (Alina Dietl) möchten wir danken. Sie hatte das nötige Vertrauen zu Maya über die vorangegangenen zwei Wochen aufgebaut und war in der Lage Maya letztlich aus ihrer misslichen Lage zu befreien. DANKE!!!

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